Psychologie vs. Psychiatrie

Eine Leserin dieses Blogs fragt unter dem Post „Medizinstudium in Deutschland detalliert nach verschiedenen Unterschieden in der Ausbildung zum Psychiater und zur Ausbildung als psychologischer Psychotherapeut. Derzeit schwanke sie zwischen der Entscheidung zu einem Medizinstudium und einem Psychologiestudium.

Ich möchte an dieser Stelle abschnittswiese auf die einzelnen gestellten Fragen eingehen.

Kann auch ein Psychiater Gesprächstherapie betreiben, oder ist dies alleine Aufgabe eines Psychologischen Psychotherapeuten?

Verschiedene Fachärzte sind psychotherapeutisch tätig. Das beginnt bereits bei jedem Facharzt für Allgemeinmedizin, in dessen Ausbildung ein 80-stündiger Kurs „Psychosomatische Grundversorgung“ beinhaltet ist. Hier tritt in der Realität aber das Problem auf, dass ein Hausarzt solche Gespräche nicht zusätzlich abrechnen kann und deshalb finanziell bedingt nur wenige wird führen können. Andererseits sind für einen Allgemeinmediziner solche Kenntnisse sehr wichtig, um psychische Erkrankungen bei Patienten frühzeitig erkennen und deren Weg zu Spezialisten bahnen zu können.

Ärzte, die in der sog. „unmittelbaren Patientenversorgung“ tätig sind (also keine Labormediziner, aber z.B. Hausärzte, Internisten, Chirurgen, Anästhesisten, Frauenärzte, Urologen, Kinderärzte, …) haben die Möglichkeit, die Zusatzbezeichnung „Psychoanalyse“ zu erwerben. Zu beachten ist hier, dass die jeweiligen Landesärztekammern eigene Regeln für die Weiterbildung definieren können. Es gibt Bundesländer, in denen die Zusatzbezeichnung nur von Ärzte mit gewisser Erfahrung und z.B. mindestens einem Jahr Weiterbildung in der Psychiatrie durchlaufen werden darf.

Zusätzlich gibt es für Fachärzte der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Fachärzte der Psychiatrie und Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie eine „integrale“ Zusatzweiterbildung „Psychotherapie“ zu durchlaufen.

Über die Unterschiede zwischen Psychotherapie und Psychoanalyse möchte ich mich an dieser Stelle nicht auslassen, halte sie aber für beträchtlich. Es sind teils ganz verschiedene Welten.
Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass die Zusatzweiterbildung Psychoanalyse zwingend beinhaltet, dass der Weiterzubildende selbst eine Psychoanalyse durchläuft. Meine persönliche Meinung ist, dass sich ein gesunder Mensch nicht ohne Not einer Psychoanalyse unterziehen sollte.

Therapeutenausbildung in der Facharztweiterbildung Psychiatrie und Psychotherapie

Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie beinhaltet laut einer einschlägigen Weiterbildungsordnung unter anderem Kenntnisse

der praktischen Anwendung von wissenschaftlich der praktischen Anwendung von wissenschaftlich Methoden, insbesondere der kognitiven Verhaltenstherapie oder der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie

Eine echte Psychotherapieausbildung ist also im Facharzt nicht beinhaltet, wohl aber fundierte Grundkenntnisse. Fast alle Psychiater durchlaufen aber die oben genannte Zusatzweiterbildung Psychotherapie.

Der wahrscheinlich größte Unterschied zwischen Psychologen Psychiatern wird in der Ausbildung der folgende sein. Verlässt man die Universität als Arzt, arbeitet man ab dann bezahlt als Assistenzarzt in Weiterbildung, z.B. zum Facharzt für Psychiatrie. Eine Therapeutenausbildung, wie oben genannt, die im Rahmen einer Weiterbildung stattfindet, wird einem in der Regel durch den Arbeitgeber zur Verfügung gestellt. Will man als Diplompsychologe, der die universitäre Ausbildung abgeschlossen hat, psychologischer Psychotherapeut werden, so erhält man während dieser Ausbildung selten Gehalt, muss davon häufig sogar ein Entgelt entrichten.

Arbeitszeiten in der Psychiatrie

Der relative „Ärztemangel“ ist in der Psychiatrie derzeit besonders groß. Deshalb gibt es immer mehr Kliniken, die offensiv mit attraktiven Arbeitszeiten werben. Dies ist in der Realität meistens dann auch wirklich der Fall, weil sich die Arbeit in der Psychiatrie verhältnismäßig gut planen lässt. Irgendjemand muss am Ende aber doch für eine 24-Stunden-Bereitschaft zur Verfügung stehen, auch wenn hier Schichten vielleicht geteilt werden. Diese Bereitschaftsdienste ist aber meistens weniger arbeitsintensiv als ein vergleichbarer Bereitschaftsdienst als Chirurg, Notarzt oder Internist.

Pflegepraktikum in der Psychiatrie

Laut Approbationsordnung ist das Pflegepraktikum in „in einem Krankenhaus oder einer Rehabilitationseinrichtung mit einem vergleichbaren Pflegeaufwand abzuleisten“. Jedes psychiartische Krankenhaus sollte also akzeptiert werden, und ich bin sicher, dass ein solches Pflegepraktium sicherlich nicht das uninteressanteste ist. Im Zweifel sollte man beim für den Studienort zuständigen Landesprüfungsamt nachfragen.

Fazit

Als Arzt stehen einem wie als Psychologen zahlreiche Berufswege offen. Sicherlich ist es sinnvoll, sich außer dem Psychater auch mit den Fachärzten Psychosomatik oder vielleicht auch Kinder- und Jugendpsychiatrie zu beschäftigen. Aus meiner Sicht, die aber limitiert ist, würde ich in der Therapie von Patienten nicht auf den Einsatz von verschreibungspflichtigen Medikamenten verzichten wollen – und das ist ein ärztliches Privileg.

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