Pharmakologie: Parasympathomimetika und Parasympatholytika

Physiologische Grundlagen

Der Parasympathikus steuert im Organismus Funktionen, die in Zusammenhang mit körperliche Ruhe stehen. Dazu gehören insbesondere Abnahme von HF und Atemfrequenz, Tonus der Gefäßmuskulatur, Harnblasensphinkter, Sekretion von Speichel und Verdauungssäften, Steigerung der Darmperistaltik sowie Miosis. Der Neurotransmitter des Parasympathikus ist Acetylcholin (ACh). Da diese Substanz binnen von Millisekunden durch die (Pseudo-) Acetylcholinesterase (ChE) abgebaut wird, ist es nicht möglich, den Transmitter als Medikament zur verabreichen. Medikamente, die auf den Parasympathikus wirken, zielen vielmehr auf die ChE ab oder wirken an den ACh-Rezeptoren.

Informationen zur Pharmakagruppe

Parasympathomimetika wirken entweder wie ACh an cholinergen Rezeptoren (Pilocarpin (Pilomann®, Salagen®)), oder aber hemmem als indirekte Parasympathomimetika die ChE (z.B.: Physostigmin (Eserin)).

Parasympatholytika sind Anti-cholinergika und hemmem m-Cholino-rezeptoren kompetetiv, allerdings nur so lange, wie diese selbst stimuliert werden. Es sind also Notfallmedikamente.

ChE-Hemmer werden eingesetzt u.a. bei postoperativen Atonien von Darm oder Harnblase,  paralytischem Ileus oder zur Aufhebung der Wirkung nicht-depolarisierender Muskelrelaxanzien. Anticholinum ist wirksam als Antidot bei Vergiftungen mit Atropin, Ampfetaminen, Phenothiazinen, Benzodiazepinen, Antihistaminika, Alkohol und tri- oder tetrazyklischen Antidepressiva. Zentral wirksame ChE-Hemmer werden zur Vigilanzsteigerung bei Alzheimer-Demenz eingesetzt.

Parasympatholytika wie Atropin (Atropinsulfat Braun®) können tertiäre Amine oder quartäre Ammoniumver-bindungen sein.

Pharmakokinetik

Pilocarpin findet Anwendung in der Augenheilkunde und erregt nur die m-Rezeptoren. Es wird in Tropfenform in den Bindehautsack geträufelt, dort innerhalb von Minuten resorbiert und wirkt rund 6h lang.

Carbachol (Carbamann® ATr) wird systemisch verabreicht, seine Wirkung setzt nach 10-20 min. ein und hält für ca. 1h an.

ChE-Hemmer können hydrophil und damit nicht liquorgängig (Pyriopstigmin, Neostigmin und Distigminbromod) oder lipophil (Physostigmin und Rivastigmin) sein. Ihre Wirkungsdauer liegt zwischen 20 min. und 3d, je nach Substanz.

Derivate der Tropasäure (Parasympatholytika) werden nach oraler Aufnahme schnell resorbiert.

Für die Liquourgängigkeit gilt die sinkende Reihenfolge Scopolamin > Atropin > Pirenzepin.

Pharmakodynamik

Pilocarpin heftet sich an die Augenmuskulatur.

Carbachol wirkt systemisch an allen ACh-Rezeptoren, kann allerdings die Blut-Liquor-Schranke nicht passieren.

Wirkungen

Pilocarpin führt dort zur Abnahme des Augeninnendrucks.

Carbachol wirkt vasodilatativ, allerdings lässt sich bei s.c. Gabe i.d.R. kein Blutdruckabfall beobachten, da der Barozeptorenreflex den Druck stabil hält.

ChE Hemmer können reversibel wirken (z.B. Physostigmin (Anticholium®), Neostigmin (Neostigmin Curasan®) oder Donepezil (Ubretid®)); sind sie irreversibel, werden sie als Gifte bezeichnet (Paroxon, Nitrostigmin oder Tabun).

Parasympatholytika sind Spasmolytika und wirken als kompetetive Antagonisten am Muskarinrezeptor.

Nebenwirkungen

Parasympathomimetika führen systemisch zu einer Steigerung des Vagustonus, der sich u.a. äußert durch verstärktes Schwitzen, vermehrten Speichelfluss, Durchfall, Bradykardie, Bronchokonstriktion und Erbrechen. Es kann zu Schwindel, erweiterten zerebralen Durchblutungsstörungen bis zu Synkopen kommen.

Pilocarpin bewirkt lokal kommt es zu Sehstörungen, Reizung der Hornhaut und Abnahme derer Sensibilität.

Quelle: Burgis E., Intensivkurs Allgemeine und spezielle Pharmakologie, Elsevier 2008

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