Medizinstudium über die Bundeswehr als Sanitätsoffizieranwärter oder -anwärterin, unabhängig von einem Numerus Clausus

Eine Leserin meines Blogs fragt: „Guten abend Herr Gersch,
ich bin [Name entfernt] und besuche noch die 13. Klasse,habe nächstes Jahr mein Abitur. Ihre E-mail-adresse habe ich von Ihrer Homepage. Leider muss ich Sie ein wenig stören.
Sie haben auf Ihrem Profil angegeben,dass Sie zuerst einen Zivildienst geleistet haben und anschließend mit dem Medizinstudium begonnen haben.
Den Teil habe ich nicht wirklich verstanden‘ 2% an angehende Sanitätsoffiziere der Bundeswehr‘.
Könnten Sie mir darüber Informationen geben?
Mit freundlichen Grüßen (…)

Mein Zivildienst hatte mit meinem Medizinstudium wenig zu tun, ich wurde einfach dazu einberufen, konnte ihn aber nutzen, um in seinem Rahmen das vorgeschriebene Krankenpflegepraktikum abzuleisten.

Die Aussage, dass 2% der Studienplätze für angehende Sanitätsoffiziere reserviert seien, hat folgenden Hintergrund: Die Bundeswehr beschäftigt eigene Ärzte für ihre eigenen Krankenhäuser und zur Versorgung ihrer Soldaten, aber auch als medizinische Versorger in Kampf- oder Auslandseinsätzen. Diese Ärzte werden von ihrem militärischen Rang her mindestens als Sanitätsoffiziere bezeichnet. Die Bundeswehr bildet diese Sanitätsoffiziere selbst aus, verfügt aber über keine eigene humanmedizinische Fakultät an ihren Hochschulen. Deshalb findet das Medizinstudium von Sanitätsoffizieranwärtern an den ganz normalen zivilen Universitäten in Deutschland statt. Für diese Soldaten sind grundsätzlich jedes Jahr 2% aller Studienplätze reserviert, wobei diese Zahl meinem Ermessen nach nie ausgeschöpft wird. Somit bekommt man mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen Studienplatz, wenn die Bundeswehr einen als Sanitätsoffizieranwärter oder -anwärterin annimmt.

Allerdings muss man wissen, dass man sich dazu bei der Bundeswehr auf weit mehr als ein Jahrzehnt als Soldat oder Soldatin zu verpflichten hat – mit allen Rechten (man erhält auch während des Studiums Sold) und Pflichten (Grundausbildung, Wehrübungen, teils Kasernierung, mögliche häufige Versetzungen). Insbesondere sollte man die persönliche moralische Entscheidung fällen, ob man sich ein Leben als Soldat/Soldatin vorstellen kann mit allen seinen denkbaren Konsequenzen, bis hin dazu, dass man gezwungen sein könnte selbst Menschen im Einsatz zu töten.

Wie sich aus meinem Zivildienst ergibt, habe ich den Dienst an der Waffe aus Gewissensgründen verweigert und rate dazu, sich ein Studium über die Bundeswehr gut zu überlegen.

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