Gesetzliche Krankenkassen (GKV), die Ärzten selbst ausgestellte Privatrezepte erstatten

Wer als Assistenzarzt anfängt zu arbeiten, erhält ein Gehalt, das knapp unter der Einkommensgrenze liegt, mit der man sich privat versichern könnte und zahlt damit den Maximalbeitrag in die gesetzliche Krankenversicherung ein. Aufgrund dieses recht hohen Beitrags sollte man zu Recht eine gesetzliche Krankenversicherung auswählen, die auch maximale Leistung bietet.

Eine interessante Option besteht darin, dass die Krankenversicherung Privatrezepte, die man sich selbst ausstellt, rückerstattet. Dadurch wird es möglich, Medikamente einfach direkt über eine Apotheke zu beziehen, wenn man deren Indikation selbst stellt und es sich um ein Krankheitsbild handelt, bei dem man nicht die Notwendigkeit sieht, einen Kollegen um Rat zu fragen. Fast alle Krankenkassen werden die Erstattung von Kassenrezepten anbieten. Naturgemäß ist ein Assistenzarzt aber nicht KV-Mitglied und kann nur Privatrezepte ausschreiben.

Leider ist diese Information nicht öffentlich verfügbar. Die umfassenste Information bekam ich noch per E-Mail von einer BKK:

„Laut unseren Informationen (natürlich wissen wir auch über die anderen Krankenkassen im System Bescheid) gibt es wohl nur ca. 5 Krankenkassen von aktuell noch 148 Krankenkassen gibt, die eine solche von Ihnen gewünschte Regelung für die Einreichung und Erstattung von Privatzepten anbieten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihnen diese o. g. Krankenkasse nicht namentlich nennen, weil dies ja Empfehlungen für andere Krankenkassen für uns geschäftsschädigend sind. Aufgrund der geringen Anzahl von Krankenkassen, die diese Regelung anbieten, sehen Sie, dass der Großteil
der Krankenkassen diese Regelung nicht anbietet. Daher ist davon auszugehen, dass diese Regelung nicht nur von Vorteil für die gesetzlichen Krankenkassen ist.“

Eine Anfrage beim GKV-Spitzenverband blieb erfolglos, man verfüge nicht über eine solche Aufstellung.

Ich habe mich auf die Suche nach diesen 5 Krankenkassen gemacht. Alle habe ich dabei nicht gefunden, aber zumindest folgende:

  • DAK: Besteht auf persönliches Gespräch zur näheren Erläuterung. Privatrezepte würden mir erstattet werden, aber nur gegen Selbstbeteiligung.
  • HKK: Alle verordnungsfähigen Arzneimittel der aktuell gültigen Arzneimittelrichtlinie. Des weiteren müssen der gesetzliche Eigenanteil, die gesetzlich vorgeschriebenen Rabatte, sowie ein Abschlag für Verwaltungskosten und fehlende Wirtschaftllichkeitsprüfungen (in der Regel 5%, mind. jedoch 2,50€ und höchstens 50€) in Abzug gebracht werden.
  • Salus BKK: Erstattung abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung und Pflichtrabatte möglich.
  • TK: Nach Rückfrage in Fachabteilung möglich, dies wird mir auch schriftlich so bestätigt.

Mit allen Krankenkassen muss im Vorfeld eine solche Erstattung gesondert vereinbart werden, meist genügt aber ein formloses Schreiben an die Kasse.

Stand: Mai/Juni 2012, kein Anspruch auf Vollständigkeit. Ergänzungen gerne über die Kommentarfunktion.

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