Biologie-, Chemie- oder Physikleistungskurs in der Schule: Sinnvoll für das Medizinstudium?

Eine Leserin dieses Blogs fragt unter dem Post „Medizinstudium in Deutschland„:

Guten Abend,

Ich habe eine Frage zu den Fächern während des Studiums, beispielsweise Biologie. Wie sehr geht man da inhaltlich in die Tiefe? Ich habe gehört dass viele von uns in der Oberstufe behandelten Themen auch im Studium behandelt werden, demnach müssten meine für das Abi sorgfältig verfassten Aufschriebe doch noch sehr hilfreich sein, oder?
(Ich habe Biologie als Leistungskurs, Chemie im Grundkurs)
Vielen Dank in Voraus.

Viele Grüße

Um es vorweg zu sagen: Es ist meiner Ansicht nach nicht notwendig, in der Oberstufe bestimmte Leistungskurse belegt zu haben, um den vorklinischen Studienabschnitt Humanmedizin zu meistern. Es handelt sich bei Biologie, Chemie und Physik um Wissen, das jederzeit erlernt werden kann – entweder schon in der Schule, oder erst später im Studium.

Sicherlich wird man aber, wenn man gute Kenntnisse aus der Schule mitbringt, Aufwand sparen, bestimmte Zusammenhänge in den betreffenden vorklinischen Fächern zu erfassen. Unterlagen aus der Schule dürften aber wahrscheinlich nicht besonders hilfreich sein. Das „interessante“ Wissen wird man entweder schon auswendig parat haben, oder es in Bezug auf das Lösen von Formeln aktiv anwenden können. Die Inhalte der Universitätskurse und -vorlesungen in den Fächern sind abschnittsweise sicherlich mit dem Niveau eines guten Leistungskurses vergleichbar.

Die Biologieprüfung war eine der ersten im Studium, und ich habe nicht in Erinnerung, dass dafür viel Lernaufwand notwendig war – wahrscheinlich hatte man sie zum „Einstieg“ relativ einfach gehalten. In Bezug auf die beiden anderen angesprochenen Fächer war deutlich mehr Wissen und Anstrengung notwendig. Um die Prüfungen zu bestehen muss man verstehen, wie das Wissen im Medizinstudium abgeprüft wird – und zwar in Form von Multiple Choice Prüfungen („kreuzen“). Dadurch unterschiedet sich das Erwerben der erforderlichen Scheine im Studium deutlich von Schulprüfungen. Zu Beginn des Studiums muss man insbesondere lernen, diese Art der Prüfungen zu durchlaufen, und das erlernte Wissen auch in korrekte Antworten übersetzen zu können. Geht man unbedarft an diese Prüfungsform heran, gehen viele davon aus, dass die Tests leicht zu bestehen sei, im Zweifelsfall könne man einfach raten. Genau diese Situation verkompliziert die Prüfungen aber deutlich, denn die Fragen werden so gestellt, dass man ohne Detailwissen und Genauigkeit schnell falsche Antworten als Lösung auswählt.

Ich würde zur Vorbereitung auf die Prüfungen, insbesondere wenn man herausfinden möchte, welchen Wissensstand man bereits mitbringt, auf kommentierte Prüfungsfragen aus dem auf die Vorklinik folgenden Staatsexamen verwiesen. Diese sind zum Beispiel als „Schwarze ReiheChemie und Physik verfügbar. Außer den genannten Publikationen aus dem Thieme-Verlag gibt es auch verschiedene andere Kommentare der Prüfungsfragen, die als gleichwertig zu betrachten sind. Die Prüfungsfragen aus der 1. Ärztlichen Prüfung sind häufig den Fragen aus den Universitätsprüfungen eng verwandt.

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