Ambivalenzen der Medizin am Anfang und am Ende des Lebens – Euthanasie

Wahlfach „Biomedizinische Ethik“, Referat von Christian Gersch

Der Begriff leitet sich vom alt-griechischen Wort ευθανασία, das soviel wie der gute Tod, gute Tötung oder auch der schöne Tod bedeutet.

Geschichte

Antike
Im antiken Griechenland unterschied man den natürlichen Tod (thanatos) und den vorzeitigen Tod (ker).
Euthanasie bezieht sich auf thanatos; ein leichter („schmerzfreier“) Tod gilt als guter Tod (Krantios).
Für Sokrates bedeutet die Euthanasie die richtige Vorbereitung auf den Tod.
Aufgrund des Eid des Hippokrates gab es de facto ein Verbot zur Tötungshandlung durch den Arzt. Selbsttötung hingegen wurde als adäquates Mittel, aus dem Leben zu scheiden, akzeptiert.

Mittelalter
Im vom der Kirche dominierten Mittelalter gab das 5. Gebot – Du sollst nicht töten – den Menschen ein eindeutiges Verbot, durch eigene oder fremde Hand aus dem Leben zu scheiden.
Gott verfügt über das Leben der Menschen; das Leben wird den Menschen durch Gott geschenkt, und Gott nimmt ihnen wieder das irdische Leben.
Augustin wie auch Thomas von Aquin traten für eine strikte Ablehnung der Euthanasie ein; vielmehr war dem Gebot Jesu, sich Kranken und Bedürftigen anzunehmen, zu folgen.

Aufklärung
Thomas Morus greift auf die Antiken Vorstellungen zur Euthanasie zurück und ergänzt sie um den Aspekt der Selbstbestimmung, so dass der vorzeitige Tod gegen den Willen des Patienten nicht mehr möglich sein soll.
Laut Francis Bacon sei ein den Tod herbeiführendes Handeln humaner, als fromm am Bett zu sitzen und auf den Tod zu warten; er sah die „Schmerzlinderung“ beim Sterben als ärztliche Aufgabe an.

Nationalsozialismus
Auf Basis des Sozialdarwinismus reifte die Vorstellung, die Fortpflanzung der „Schwachen“ einzudämmen.
Der von Alfred Ploetz ab 1895 eingeführte Begriff der „Rassenhygiene“ setzte den Grundstein für die Eugenik, die die Nationalsozialisten propagierten.
Im Rahmen der „Aktion T4“ wurden großflächig über 100.000 Menschen mit Behinderungen – sog. „lebensunwertes Leben“ ermordet.
Es gab kein konkretes Gesetz zur Euthanasie, sie erfolgte vielmehr als Befehl Hitlers.

Atomzeitalter
Nach dem 2. Weltkrieg war die Euthanasie europaweit verachtet.
In den 80er Jahren gründete sich die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben, die die Euthanasiedebatte, die in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts begonnen hatte, wiederbelebte.
In Europa, speziell in Großbritannien, entstanden Sterbehospize auf Basis des Hospizgedanken.
Aktive – teilweise auch passive – Sterbehilfe waren nach wie vor in Europa strafbar.

Heute
In Deutschland, Österreich und der Schweiz steht die aktive Sterbehilfe unter Strafe.
In den Niederlanden ist die zwar rechtswidrig, steht aber nicht unter Strafe, wenn sie durch einen Arzt mit Einwilligung des todkranken Patienten vorgenommen wird.
Die passive Sterbehilfe ist allgemein mit Hilfe einer Patientenverfügung möglich.
Beihilfe zur Selbsttötung und Selbsttötung stehen nicht unter Strafe.

Begriffe der Selbsttötung und Sterbehilfe

Selbsttötung
Der Suizid ist die willentliche Beendigung des eigenen Lebens durch eine selbstbestimmter Handlung oder durch Unterlassen einer Handlung.
Gerade rechtliche gesehen wird die Selbsttötung im Gegensatz zu anderer Sterbehilfe, die als Mord kategorisiert werden kann, in vielen Ländern nicht bestraft.
Hauptursache für Suizid in schwere Depressionen, wie sie z.B. durch unheilbare Krankheiten ausgelöst werden können.

Aktive Sterbehilfe
Die Aktive Sterbehilfe, die Tötung auf Verlangen, bedarf unbedingt der Willensäußerung des Betroffenen – ansonsten handelt es sich um Mord bzw. Totschlag.
Vielfach wird dem Betroffenen eine Dosis eines Pharmakons oder Toxins verabreicht, die mit dem Leben nicht vereinbart ist.

Indirekte Sterbehilfe
Für viele unheilbare Erkrankungen kann durch den Einsatz bestimmter Medikamente Linderung verschafft werden, die als Nebenwirkung einer Verkürzung der Lebensdauer mit sich bringen.
Laut BGH ist die indirekte Sterbehilfe nicht strafbar, vielmehr kann ihr Unterlassen sogar als Körperverletzung oder unterlassene Hilfeleistung gewertet werden.

Passive Sterbehilfe
Das Unterlassen lebensverlängernder Maßnahmen wird in der Regel durch eine Patientenverfügung geregelt, die bei Schwerkranken Anwendung finden können.
Es handelt sich also um das Unterlassen der künstlichen Verlängerung des Sterbevorgangs, der ansonsten unweigerlich eintreten würde.
Alternativ kann auch der mutmaßliche Willen des Patienten als Informationsquelle gewertet werden.

Ethische Situation und Schwierigkeiten

Die Wertung von Euthanasie ist abhängig von der Weltanschauung des Einzelnen. Nur die wenigsten wollen über ein fremdes Leben urteilen.

Vielmehr in der Diskussion ist der Missbrauch der Euthanasie, um beispielsweise Behandlungskosten zu sparen, vorzeitig an ein Erbe zu gelangen oder Ressourcen zu sparen.

Auch könnten gerade psychisch kranken Menschen Ihre Einstellung in einer anderen Phase ihrer Krankheit zum Wunsch ihres Todes ändern – doch diesen Moment gar nicht mehr erleben können.

Wenngleich alte oder kranke Menschen nicht zur Euthanasie gezwungen werden, so besteht zumindest das Risiko, dass sie sich nutzlos oder als Belastung fühlen und sich in die Richtung gedrängt sehen.

Rechtliche Situation

Das Europaparlament beschloss bereits 1991, dass ein Arzt, der einem Patienten nach Verlust eines würdevollen Lebens einen friedlichen Tod bereiten könne, dies dem Patienten (…) ermöglichen solle.
Als erstes Land haben die Niederlande die aktive Sterbehilfe in bestimmten Fällen von der Strafe ausgenommen, 2003 hat Belgien ebenfalls eine Regelung zur aktiven Sterbehilfe parlamentarisch verabschiedet. Damit haben die Staaten die Entscheidung des Europaparlaments als erste begonnen umzusetzen.
Die Beihilfe zur Selbsttötung – der sog. assistierte Suizid – ist in der Regel in Deutschland und der Schweiz nicht strafbar.
Tötung auf Verlangen wird nach §216 StGB mit bis zu 5 Jahren Haft bestraft.

Präsentation
Sie finden hier die zugehörige Präsentation.

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