Die Anatomie und der Präparierkurs – ist eine Leiche eklig?

Eine Leserin dieses Blogs fragt unter dem Post „Medizinstudium in Deutschland“, ob es wahr sei, dass während des Anatomiekurses auch Unterricht an einer Leiche stattfinde, und ob dies nicht „ein bisschen ekelhaft“ sei?

Es ist richtig, dass – je nach Hochschule zwischen dem 1. und dem 3. Semester – der praktische Anatomiekurs an der Leiche eines Körperspenders statt findet. Dieser Kurs ist aber höchst wichtig. Medizin ist viel „learning by doing“, das heißt, eines Tages, im Laufe der Ausbildung, steht man am OP-Tisch, und der Chirurg, der die Sache einem zutraut, fordert einen auf, jetzt selbst eine Naht oder einen Schnitt zu machen. Natürlich passt er darauf auf, was ein Medizinstudent tut, aber es wird auch von Letzterem erwartet, dass er einfach weiß, in welcher Struktur im Bauchraum wo welches Blutgefäß verläuft. Egal, wie gut man die Anatomie theoretisch gelernt hat, es ist in diesem Fall ein Segen, wenn man seine theoretischen Kenntnisse einmal an einem Körperspender überprüfen konnte. Ähnliches scheint mir für die erste Leichenschau zu gelten.